8. Dezember 2007

Die Atari Story


Das Atari Computermuseum hat uns diesen ausführlichen Bericht über die Geschichte von Atari zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

1962-1972 - Die Vorgeschichte

STEVE RUSSELL, Professor für Computerwissenschaften am MIT, und 2 seiner Studenten entwickeln im Jahr 1962 an einem DEC PDP1 ein Videospiel, das den Namen SPACE WAR trägt...

NOLAN BUSHNELL, Student an der University of Utah, war begeistert von "Space War". In den Semesterferien jobbte Bushnell in einer Spielhalle. Das bringt ihn auf die Idee, Space War als Münzspielautomat zu entwickeln. Allerdings fehlt es Bushnell an Geld und die benötigte Hardware braucht etwa so viel Platz wie ein Kleinwagen. Es sollten noch 9 Jahre vergehen, bis Bushnell den Automaten entwickelte. Im Jahr 1970 schließt Bushnell sein Studium - nach eigenen Angaben als 197er von 197 - ab und bekommt einen Job bei AMPEX in Redwood City, CA. Hier arbeitet TED DABNEY, der vom Space War ebenso begeistert war wie Bushnell. Bereits 1971 kündigt Bushnell und steckt seine ganze Kraft in den Computer-Space-Automaten. NUTTING ASSOCIATES kauft "COMPUTER SPACE", 1.500 Stück werden produziert. Da dieses Spiel aber nur mit einem dicken Handbuch zu verstehen war, blieben die Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen von Nutting zurück. Bushnell erkennt das Problem und versucht jetzt, ein sehr einfaches Videospiel zu bauen. Auf einer Messe in Burlington, CA, sieht Bushnell das MAGNAVOX ODYSSEY 100, ein einfaches Tennisspiel mit 2 Drehreglern. So einfach, daß es erfolgreich werden mußte.

1972-1976 - Die ersten Jahre

1972 - Nutting Associates, geprägt von den schlechten Zahlen des Computer Space, läßt Bushnell aber nicht so arbeiten wie er will. Bushnell gründet daraufhin am 27. Juni 1972 mit seinem Freund Dabney - beide mit je 250 $ Startkapital - seine eigene Firma. Bushnell legte 3 Namen vor: Syzygy - ein Begriff aus der Astronomie - dieser war bereits an einen Dachdecker vergeben. B. D. Inc. (von Bushnell und Dabney) wurde abgelehnt, da man Verwechslungen mit dem Maschinenhersteller "Black&Decker" befürchtete. Der dritte Name - Atari - ist ein Begriff aus dem japanischen Brettspiel "Go" und bedeutet etwa soviel wie "Schach" im gleichnamigen Spiel.

Die Firma ATARI - damals bestehend aus Bushnell, Dabney und einigen ehemaligen Hippies der 68er-Generation, zogen in ein Gebäude an der Borregas Avenue in SUNNYVALE ein. Die Adresse 1195 Borregas Avenue bleibt für die nächsten Jahre ATARI's Stammadresse. Anfangs standen ATARI nur 100 m² zur Verfügung. Gerüchten zufolge sollen die damaligen Mitarbeiter so laut gewesen sein, daß die Nachbarfirma im selben Gebäude auszog. ATARI vergrößerte seine Fläche auf 200 m² mit einem Mauerdurchbruch. AL ALCORN, Bushnells Nachfolger bei Ampex, baut übrigens die ersten PONG-Automaten - abgeleitet von dem Spiel, das Bushnell 1971 in Burlington gesehen hat. Bushnell suchte Firmen, die das Gerät in größeren Stückzahlen produzierten. Er erhielt aber nur Absagen. Also beschließt er, den Automaten selbst zu bauen. Einen Automaten stellte Bushnell in ANDY'S TAVERNE in Sunnyvale auf. Nach wenigen Tagen ruft Andy bei Bushnell an - er solle das Gerät wieder mitnehmen, es sei kaputt. Der Fehler lag aber nicht am Automaten selbst, sondern am Münzbehälter. Der war durch die vielen Münzen bereits so voll, daß er keine Münzen mehr annehmen konnte. Daraufhin geht PONG in Serie - mit riesigem Erfolg: Innerhalb eines Jahres werden 10.000 Stück verkauft. Sehr viel für eine kleine, junge Firma. 1973 drängen immer mehr PONG-Nachbauten auf den Markt - einer davon auch von Nutting Associates, jene Firma, die Bushnell die Unterstützung für PONG verweigert hatte.




1973 - Ted Dabney sieht die Konkurrenz mit großer Sorge und verkauft seinen Anteil an Bushnell - eigentlich ohne Grund, denn ATARI ist und bleibt die stärkste Firma auf dem neuen, heißumkämpften Markt. ATARI baut immer mehr Automaten, darunter auch PONG-Varianten wie DoublePONG und neue Automaten wie GOTCHA.

1974 folgten QuadraPONG, PinPONG, DoctorPONG - die Varianten für PONG scheinen unerschöpflich. Die Firma KEE GAMES brachte den Automaten TANK heraus - ein völlig neues Spielprinzip. Wie sich später herausstellt, ist Kee Games eine Tochterfirma von ATARI. Im selben Jahr fusionierten beide Firmen und JOE KEENAN wurde Präsident von ATARI, Nolan Bushnell Geschäftsführer. HAROLD LEE, Angestellter, kommt auf die Idee, PONG auch für den heimischen Fernseher zu bauen. PONG wird von Harold Lee, Al Alcorn und ROBERT BROWN entwickelt. Die Händler schrecken aber nach den geringen Verkaufszahlen des Magnavox Odyssey 100 erst einmal zurück.

1975 nimmt ATARI Kontakt zu TOM QUINN, Einkäufer der Kaufhauskette SEARS ROEBUCK, auf. Sears bestellt nach der Vorführung des PONG 150.000 Geräte und vertreibt sie unter dem Namen TELE-GAMES. Im Weihnachtsgeschäft 1975 wird PONG zum größten Renner, und ATARI wird in den ganzen USA bekannt. Atari macht 1975 40 Mio. $ Umsatz und 3 Mio $ Gewinn.

Im Jahr 1976 bringt ATARI weitere Kassenschlager - darunter NIGHT DRIVER und BREAKOUT - auf den Markt. Und im selben Jahr wird an einer Spielkonsole gearbeitet, deren Module auswechselbar sind. Fairchild kommt ATARI allerdings zuvor und bringt 1976 das FAIRCHILD CHANNEL F heraus. Noch 1976 wird Cyan Engineering gekauft, kurze Zeit später in Grass Valley umbenannt. Grass Valley dient Atari zu Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Und ebenfalls 1976 werden erstmals Flipper-Automaten gebaut.

1976-1984 - ATARI im Warner-Konzern

1976/77 - Weil ATARI langsam das Geld für die Entwicklung des STELLA ausgeht, verkauft Bushnell die Firma für 28,8 Mio. $ an den Medienriesen WARNER COMMUNICATIONS - 15 Mio. $ gehen in Bushnells eigene Tasche. Keenan und Bushnell bleiben weiterhin die Geschäftsführer bei ATARI. Die STELLA wird fertiggestellt und als ATARI VIDEO COMPUTER SYSTEM vermarktet. Der Konsole stehen zu Beginn 9 Spiele zur Verfügung.

1978 bringt die kleine japanische Firma TAITO das Spiel "SPACE INVADERS" als Automat auf den Markt. ATARI erwirbt die Rechte daran und baut eine Modulversion, die dem neu erschienenen ATARI VIDEO COMPUTER SYSTEM zum Weihnachtsgeschäft 1978 beigelegt wird. Das VCS wird DER Renner des Jahres - selbst ATARI's Erwartungen an die Konsole werden weit übertroffen. Es folgen weitere Spielehits, darunter ASTEROIDS. Ein anderer Bereich beginnt stetig zu wachsen - der Homecomputer-Bereich. Auch ATARI strebt einen Homecomputer an - Bushnell ist anfangs nicht sonderlich begeistert davon. Zu dem Zeitpunkt existieren auf dem Markt nur sehr wenige Homecomputer: APPLE ][, TANDY RADIO-SHACK TRS80 und der COMMODORE PET. Schon 1976 versuchte der damals bei ATARI angestellte STEVE JOBS, einen Homecomputer bei Bushnell durchzusetzen. Als dieser ablehnte, stieg Jobs bei ATARI aus und gründete mit seinem Freund STEVE WOZNIAK, davor bei HEWLETT PACKARD angestellt, die Firma APPLE INC. Der Name APPLE wurde gewählt, um im Telefonbuch vor ATARI zu stehen. Aber zurück zu ATARI 1978: Die Entwicklungsabteilung von ATARI arbeitet an den Computern "CANDY" und "COLLEEN" - Atari wählte die Codenamen immer nach den weiblichen Angestellten. Diese Homecomputer besitzen im Gegensatz zu den Konkurrenzen nicht nur eine CPU, sondern auch einige Custom-Chips zur Entlastung der CPU. Diese wurden entwickelt von JAY MINER, dem späteren AMIGA-Chefentwickler. ATARI besitzt zu dieser Zeit bereits Fertigungsstätten in Taiwan und Hong Kong, wo das VCS gebaut wird. Im November 1978 verläßt Bushnell die von ihm gegründete Firma. RAY KASSAR von Warner wird neuer Präsident von ATARI INC.

1979 wird die Flipper-Produktion aufgegeben. Am 29. August 1979 erfolgt die erste kleine Lieferung der im Januar vorgestellten Computer 400 (CANDY) und 800 (COLLEEN). Im Dezember folgt die erste Serienproduktion. Atari gibt bekannt, daß mittlerweile 400.000 VCS-Konsolen seit dem Start 1977 verkauft wurden. Alan Miller, Bob Whitehead, Larry Kaplan und David Crane verlassen nach einem Streit mit Kassar Atari und gründen am 25.4.1980 Activision, den ersten 3rd-Party-Spielehersteller.

1980 erscheinen "ADVENTURE", das erste Videospiel mit Easter-Egg, und der Automat "Battlezone" als erster 1st-Person-Shooter. Ein Jahr zuvor sorgte der erste Spielautomat mit Vektorgrafik, "Lunar Lander" für Furore. Das neue Firmengebäude in der 1196 BORREGAS AVENUE wird bezogen - nur einen Katzensprung vom alten Haus entfernt.

1981 - ATARI ist zu dieser Zeit nur im Norden Amerikas ein Begriff, der Rest der Welt kennt ATARI nicht. KLAUS OLLMANN, stellvertretender Geschäftsführer der WEA MUSIC GMBH - ebenfalls im Warner-Konzern - flog öfters zum Mutterkonzern in New York. Ende 1979 bekam der Geschäftsführer der WEA GmbH, SIGGI LOCH, ein Paket von Warner mit dem ATARI VCS. Loch, nicht begeistert vom Videospiel- und Computermarkt, gab die Sache an Ollmann weiter. Dieser setzte sich dafür ein, und gründete am 1. März 1980 innerhalb der WEA die ATARI ELEKTRONIK VERTRIEBSGESELLSCHAFT. Am 1. April 1981 wird diese Firma aus der WEA GmbH ausgegliedert und als ATARI DEUTSCHLAND mit Sitz in HAMBURG gegründet. Von dort aus laufen über die nächsten 3 Jahre die Geschäftsaktivitäten ATARI's in der Bundesrepublik.

Im Mutterland kamen derzeit immer mehr VCS-Spielmodule auf den Markt - darunter die Megahits "PAC-MAN" von NAMCO AMERICA und "MISSILE COMMAND", ATARI selbst baute bereits die 3. Version des VCS - und arbeitete bereits an einem Nachfolger, dem VIDEO SYSTEM X. Der Grund: MATTEL und COLECO lieferten um 1981 bereits technisch fortgeschrittenere Konsolen aus. 1981 erscheint der erste Automat mit farbiger Vektorgrafik, "Tempest". Jay Miner gründet die Amiga Corporation und stellt ungewöhnliche Spielsteuerungen und Konsolensoftware her.

Die Homecomputer wurden überarbeitet, 1982 wird der Prototyp des 1200, ein Vertreter der neuen Computerlinie 600/1200, vorgestellt, die jedoch nie erscheint. ATARI Deutschland ist zu dieser Zeit bereits der stärkste Auslandsmarkt von ATARI. , das VCS wird weitergebaut als ATARI 2600, und das 5200 SUPER-SYSTEM erscheint.

Im Dezember 1982 sorgte Atari für Börsenschlagzeilen: Am 7.12.1982 um 14:41 EST verkauft CEO Ray Kassar 5000 Warner-Aktien im Wert von 250.000 $, macht einen Gewinn von 81.000 $. Um 15:04 EST gibt Warner eine Gewinnwarnung aus, nachdem der Konzern im 4. Quartal 1982 wohl 10% weniger Gewinn einfahren wird. Am 8.12.82 fallen die Warner-Aktien an einem Tag um 33% (!), landesweit stornieren Händler massenweise Aufträge. Am 14.12.82 beginnen die Ermittlungen gegen Kassar und Atari-Vizepräsident Dennis Groth - beide stehen im Verdacht, Insider-Geschäfte betrieben zu haben. Die Investoren an der Wall Street in New York wenden sich ab.

1983 wird der 1200 XL als Nachfolger der Computer 400 und 800 vorgestellt, im September wird der 1200 XL eiligst durch 600 XL und 800 XL abgelöst - der 1200 XL war teilweise inkompatibel zu seinen Vorgängern - als die Öffentlichkeit das mitbekam, wurden schnell die Restbestände der alten Computer 400 und 800 gekauft; ebenso wird bereits am 5200 Nachfolger gearbeitet. Im Jahr 1983 erreicht die Konsole 2600 ihren Höhepunkt - in diesem Jahr erscheinen die meisten Spiele, immer mehr Firmen liefern neue Titel. Doch das hat auch seine Schattenseiten: Immer mehr Firmen warfen diese neuen Titel für immer weniger Geld auf den Markt - zum Teil wurden Spiele für unter 10 $ verramscht. Die Qualität dieser Spiele ist deutlich am Boden - nur Imagic, ATARI und Activision liefern gute Spieletitel. Viele frisch gegründete Firmen schließen noch im selben Jahr ihrer Gründung. Auch die Homecomputer 600 XL und 800 XL verkaufen sich nicht besonders gut - obwohl sie dem stärksten Konkurrenten, dem COMMODORE 64, technisch deutlich überlegen waren. Und so zogen dunkle Wolken an ATARI's Horizont auf.





Am 7.7.1983 muß Kassar wegen der Börsen-Affäre vom Dezember 1982 zurücktreten, Nachfolger wird am 6.9.1983 James Morgan. Die Jahresbilanz 1983: ATARI machte 536 Mio. $ Verluste - was etwa 2 Mio. $ pro Tag entspricht. Schon im 2. Quartal wurden Verluste von 283,4 Mio $ gemeldet. Das hindert Atari aber nicht daran, ständig neue Produkte anzukündigen. Im Februar 1983 wird "My First Computer", ein Aufsatz für die 2600-Konsole, angekündigt, wenig später werden Pläne für die Computer 1400XL, 1450XLD "Dynasty" und 1650XLD "Mickey", im März 1983 für eine Tochterfirma namens "AtariTel" bekannt. Atari schließt im April 1983 die Fabrik in El Paso, die dort verbliebenen Module sowie einige Prototypen des Mindlink werden auf 14 Lastern in die Wüste New Mexico's - nähe Alomorgordo - gekarrt, ausgekippt und mit Bulldozern plattgemacht. Das wurde jahrelang für eine Legende gehalten, Nachforschungen bestätigen dies jedoch. In einem Warenhaus werden einige Paletten mit 825-Druckern vorgefunden - dieser Nadeldrucker galt seit 1981 als ausverkauft. Am 21.11.1983 schließen Atari und die Amiga Corp. einen Vertrag ab, der Atari die Rechte am System "Lorraine" zusichert.

1984 werden die restlichen 18.000 nicht verkauften CX-53-Trackballs vom Markt genommen und zurück ins Werk transportiert. Dort werden sie auseinandergenommen, die Kugeln werden später bedruckt und als Lottokugeln verkauft, der Rest wird geschreddert. Am 21.5.1984 wird das Atari 7800 ProSystem angekündigt. Im Juni 1984 sucht Warner Käufer für die angeschlagene Atari Inc.

1984-1996 ATARI unter den Tramiels

1984 - JACK TRAMIEL (mit richtigem Namen IDEK TRAMIELSKI), polnischer Einwanderer, gründete in den 50er Jahren die Firma COMMODORE - anfangs zur Reparatur von Schreibmaschinen. Ende der 70er Jahre brachte Commodore den PET auf den Markt, weitere Computer folgten - VIC20, C64. Ende 1983 kam es zum Streit zwischen Tramiel und Mitinhaber IRVING GOULD, Tramiel und seine Söhne mußten daraufhin die Firma verlassen. Sie gründeten TRAMIEL TECHNOLOGIES LTD. Im Juni 1984 trat Time Warner dann an Tramiel heran, mit ATARI im Gepäck. Er schlug zu und kaufte den ehemaligen Erzfeind gegen Schuldscheine. Die Tramiel-Familie hält 51% der Aktien, 25% bleiben bei Warner. Die Automatenproduktion blieb unter dem Namen ATARI GAMES CORP. weiterhin bei Warner. Die ATARI INC wurde in eine Corporation (Aktiengesellschaft) umfunktioniert. Tramiel besetzte die Führungspositionen mit seinen Söhnen LEONARD, SAM und GARRY. Die vier reisten um die ganze Welt und schlossen einige Niederlassungen, darunter das 2600-Werk in Irland. Auch Klaus Ollmann von ATARI Deutschland wurde entlassen. Die Tramiels entließen zwei Drittel der gesamten Belegschaft weltweit. Als die Tramiels in der 1196 Borregas Avenue in Sunnyvale ankamen, soll der Pförtner "THE STORMTROUPS ARRIVED" (Die Sturmtruppen sind gekommen) gerufen haben. ATARI Deutschland zog aus der Niederlassung in Hamburg aus und bezog sein neues Hauptquartier in der Stadt RAUNHEIM bei Frankfurt/Main. In Sunnyvale wurden derzeit sämtliche Weiterentwicklungen der XL-Serie gestoppt, auch das 7800 PRO-SYSTEM fiel dem zum Opfer, AtariTel wird an Mitsubishi verkauft.. Nintendo Amerika fragt bei Atari an, ob Interesse besteht, die Konsole "Famicom" unter dem Atari-Label in den USA zu vermarkten. Tramiel lehnt ab. Nintendo hat das "Famicom" 1985 in "Nintendo Entertainment System" umgetauft und selbst vermarktet. Jack Tramiel warb einige Entwickler von Commodore ab, darunter auch SHIRAZ SHIVJI, den Erfinder des legendären C64. Er sollte in nur 6 Monaten einen völlig neuen Rechner entwickeln.

Das gelang, und so wurden auf der WINTER CONSUMER ELECTRONICS SHOW in LAS VEGAS im Januar 1985 neben der neuen, am 13.11.84 angekündigten, XE-Serie die Computer 130 ST und 520 ST vorgestellt. Diese Rechner besitzen den Motorola 68000 Prozessor (erst war der National 32032 geplant, die Lieferfähigkeit des 32032 wurde allerdings bezweifelt), der 520 ST damals mit 512 KB unglaublich viel Arbeitsspeicher, eine mit der Maus zu bedienende GEM-Oberfläche und die Fähigkeit Farbauflösungen darzustellen, was der ebenfalls frisch erschienene APPLE MACINTOSH damals nicht konnte. Der 520 ST wurde im Frühjahr 1985 erstmals ausgeliefert - der 130 ST ging dagegen nie in Serie. Der ST erschien nur wenige Monate vor Commodore's AMIGA 1000, der seine Premiere auf der Sommer CES 1985 hatte. Zu AMIGA hat ATARI auch eine besondere Beziehung: JAY MINER verließ 1981 ATARI und gründete ein Jahr später mit ein paar Freunden die AMIGA INC. Sie lieferte einige wenige Titel für das ATARI VCS und baute Joysticks. Intern wurde an einer eigenen Spielkonsole gearbeitet. 1984 ging AMIGA allerdings das Geld aus und suchte Käufer. Tramiel, zu der Zeit schon bei ATARI, bot nur 0,98 $ pro Aktie. Interimsfeind Commodore schlug kurz vor Ende der 24-Stunden-Frist zu und kaufte die AMIGA INC für 4,25 $ pro Aktie. Aus der Spielkonsole wurde später der Computer AMIGA. Zurück zu ATARI: In Deutschland wurde der ehemalige Commodore-Deutschland-Chef ALWIN STUMPF zum neuen Chef der Atari Computer GmbH.

In Amerika wurde an neuen ST's gewerkelt - Anfang 1986 erschienen die Varianten 260 ST, 520 ST+ und der 1040 ST. Auch die 7800-Konsole wurde seit Juni nun ausgeliefert, etwas zu spät allerdings - der japanische Konsolenhersteller NINTENDO hatte bereits mit dem NINTENDO ENTERTAINMENT SYSTEM beachtliche Marktanteile erobert. Das 2600-System geht in der 7. und letzten Version in Serie - dieser Konsole werden 32 Spiele auf einem Modul beigelegt. Mitte des Jahres machte das Gerücht, ATARI würde einen 32-Bit-Computer entwickeln, die Runde. Als erster schrieb die deutsche Zeitschrift DATA WELT über den ATARI EST.

1987 wird der Ruf nach einem professionellen ST erhört - Atari bringt den MEGA ST mit abgesetzter Tastatur heraus. Auch die XE-Computer sind nicht tot, im Januar 1987 kündigt ATARI das XE GAME SYSTEM an. Das XEGS besitzt eine abgesetzte Tastatur und ist hauptsächlich als Spielkonsole und damit als direkten Konkurrent zum ebenso erfolglosen COMMODORE 64GS konzipiert. Erschienen ist es im November 87. Im Juli 1987 werden neue Spiele für das 2600 angekündigt. Ebenfalls 1987 steigt ATARI mit den Rechnern PC und PC2 in den Markt der IBM-Kompatiblen ein, die zu dieser Zeit immer erfolgreicher wurden.

1988 kaufte ATARI eine kleine englische Firma, die einen Transputer entwickelten. Dieser Transputer arbeitete mit bis zu 17 Prozessoren. Er wurde als ATARI TRANSPUTER WORKSTATION 800 in kleinen Stückzahlen gebaut. Im selben Jahr kauft ATARI die Rechte am Handy, einer Handheld-Konsole des Spielherstellers EPYX INC. Die Produktion der Geräte 2600jr, 130/65/800 XE und der Ur-520ST läuft aus.

ATARI stellte diese Konsole im Juni 1989 als ATARI LYNX vor. Das Spielesortiment dafür stammt größtenteils aus der Time-Warner-Tochter ATARI GAMES und beinhaltet meist Automaten-Umsetzungen. Nintendo und Atari Games/Tengen bringen gleichzeitig "Tetris" heraus - und jeder behauptete die Rechte daran zu haben. Ein Gericht entscheidet im November 89 zugunsten Nintendo. 1989 wird ein Jahr der Neuentwicklungen - der 1040 STE, ein erweiterter 1040 STFM wird vorgestellt, ebenso der erste Pocket-PC "PORTFOLIO" und der tragbare ST "STACY". Auch ein Prototyp eines Computers namens TT/X wird gezeigt. Dieser arbeitet mit einer 68030-CPU, 16 MHz Takt und dem Betriebssystem UNIX, welches man damals für das Betriebssystem der Zukunft hielt. Im Oktober 89 wird der Lynx in limitierten Stückzahlen in den Städten New York und Los Angeles verkauft, das offizielle Release erfolgt im März 1990.

1990/91 - Die Serienproduktion des TT030 beginnt 1990. 1991 folgten weitere Computer: Der MEGA STE als Nachfolger der erfolgreichen MEGA ST Computer, und das Notebook ST-BOOK. Auch Prototypen werden wieder gezeigt - zum einen der Pentop-Computer ST-PAD und zum anderen der FX-1 Computer. Der LYNX erhält ab Juli 91 ein neues Gesicht, und die Produktion der Serien XEGS, 7800 und die der IBM-Kompatiblen werden endgültig stillgelegt. Im April 1991 machen Gerüchte über eine neue 32-Bit-Spielkonsole namens "Panther" die Runde. Atari bestätigt die Gerüchte im Mai, schon im Juni wird der Panther allerdings gecancelt. Parallel zum Panther wurde an einer 64-Bit-RISC-Konsole namens Jaguar entwickelt. Das Prinzip des JAGUAR, mit mehreren CPU's zu arbeiten ist nicht neu - 1986 wurde dies schon von Flare2 entwickelt, ATARI erwarb 1990 die Rechte daran.

1992/93 - 1992 erscheint mit dem FALCON 030 der letzte ATARI-Computer. ATARI Deutschland zieht aus den zu klein gewordenen Räumen in Raunheim ins neue Gebäude in SCHWALBACH/TAUNUS um. Alwin Stumpf verläßt ATARI Deutschland gegen Ende des Jahres 1992 und geht zurück zu Commodore. Im Dezember 1992 wird der Start des Jaguars für Sommer 1993 verkündet - das Release erfolgt jedoch erst im Oktober 93, die Produktion übernimmt dabei der blaue Riese IBM. ATARI selbst ist bereits wieder in den roten Zahlen.

1994 steigt ATARI vollständig aus dem Computermarkt aus, die Rechte am Falcon gehen an die deutsche Firma C-LAB, die den Falken als C-LAB MK vermarktet. Auch andere Clones machen die Runde - die Schweizer Firma MEDUSA SYSTEMS bringt den gleichnamigen Clone auf 68040-Basis heraus. Auch der Lynx wird gestoppt, ATARI konzentriert sich auf den JAGUAR. Im September 1994 wird ein Jaguar-Modem angekündigt, es eschien nie. Das VIRTUAL-REALITY-SYSTEM wird 1994 auf der CeBIT, im Mai 1995 auf der Electronics Entertainment Expo vorgestellt, geht auch nie in Serie.

Im September 1995, etwas zu spät, erscheint der lang versprochene CD-Aufsatz. Zu spät deshalb, weil der leistungsfähigere 32-Bitter SONY PLAYSTATION bereits auf dem Markt war. Gegen Ende 1995 machte wieder das Gerücht einer neuen Spielkonsole die Runde - JAGUAR² war das Stichwort.

Die technischen Daten stellten Anfang 1996 die PlayStation und den noch nicht mal erschienenen NINTENDO N64 in den Schatten. Allerdings fehlte ATARI die Kraft und das Geld, um die Konsole fertig zu entwickeln. Bereits 1995 wurden sämtliche Auslandsniederlassungen geschlossen, im Zentrallager in den Niederlanden begann der große Resteverkauf, ein nagelneuer 800 XL konnte damals für 20 DM gekauft werden. Nachdem alles verkauft war, wurde auch das Zentrallager geschlossen und ATARI Europa existierte nicht mehr. Im Frühjahr 1996 zog ATARI aus dem Firmengebäude in der Borregas Avenue aus und bezog mit nur noch 120 Mitarbeitern ein leerstehendes Bankgebäude in Sunnyvale. Von März bis Juni 1996 werden unter dem Label ATARI INTERACTIVE einige Spiele vom Jaguar auf den PC konvertiert. Auch die erste Homepage www.atari.com mit dem Titel JAGWIRE wurde fertiggestellt.

1996 - Heute Das Schattendasein ATARI's

Im Juni 1996 trat JUGI TANDON an seinen Freund Tramiel heran, da es seiner Firma wirtschaftlich nicht gerade gut ging und bei Atari noch einige Millionen vorhanden waren - beide Firmen, JTS CORP und die ATARI CORP fusionierten am 30. Juni 1996, die Firma wurde als JTS CORP. weitergeführt. Jack Tramiel ging in Ruhestand, die Söhne arbeiteten weiterhin für JTS. Einige geplante Jaguar-Titel wurden an TELEGAMES, dem ehemaligen Label von Sears Roebuck, verkauft. Die technische Unterstützung der Jaguar-Plattform wurde noch bis 1998 aufrechterhalten. Der LYNX wurde schon Ende 1995 aus dem Programm genommen. Am 22. Februar 1998 war auch JTS pleite. Die ATARI-Rechte wurden am 23. Februar 1998 für lächerliche 5 Mio. $ in bar an HASBRO INTERACTIVE verkauft. Die Rechte am Jaguar-System werden am 14.5.1999 komplett freigegeben. Hasbro brachte ab 1999 unter dem Label ATARI einige alte Titel wie PONG und FROGGER für PC's und Konsolen auf den Markt. Am 6.12.2000 wurden wiederum die Rechte verkauft, diesmal gingen sie für 100 Mio. $ an den französisch-amerikanischen Spielehersteller INFOGRAMES. Auch Infogrames brachte unter dem ATARI-Label einige Spiele heraus, darunter V-RALLY 3. Am 7. Mai 2003 gab die Firma Infogrames bekannt, daß sie ab sofort ATARI, INC. heißt. Einige Spieletitel erschienen bisher unter ATARI, darunter ENTER THE MATRIX, TERMINATOR 3 und ROLLER COASTER TYCOON. Im Oktober 2004 brachte Atari eine Retrokonsole namens "Flashback" unter eigenem Label auf den Markt, im Sommer 2005 erscheint bereits Flashback 2. Eins muß man aber zugute halten: Der Name ATARI wird auf diese Weise nicht vergessen - schließlich stand dieser Name in den 80er Jahren für Innovation und Videospiele. Mal sehen wie es weitergeht mit der Firma ATARI, INC.

Auch ATARI GAMES ging zwischenzeitlich unter. Bereits 1988 kaufte sich Time im Warner-Konzern ein, 1996 übernahm Williams den Time-Warner-Konzern komplett, später kam noch AOL dazu. Zwischenzeitlich wurden die Rechte an Midway West weiterverkauft. Die Marke ATARI GAMES wurde noch bis 2003 aufrecht erhalten, unter diesem Namen erschien unter anderem der auf CoJag basierende Spielautomat "Area 51". 2003 mußte Midway West schließen.

Vielen Dank an das Atari-Computermuseum für diesen tollen Bericht!

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